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     Wenn Engel fallen






„Such mich dort, wo die Grenzen zwischen Himmel und Erde aufgehoben sind. An einem Ort, wie er einmalig ist, suche dort wo man keine Flügel mehr braucht um fliegen zu können. Ich werde da sein.“: Luis las sich diese Worte ein um das andere Mal durch. Er wusste was Isabelle ihm sagen wollte. Natürlich machte er sich auf den Weg zu ihr. Vor ihrem Haus klingelte er Sturm. Doch keiner öffnete. Seine Gedanken rasten, wieder setzte er sich in sein Auto und fuhr durch Kirrlach. „An einem Ort, wie er einmalig ist, suche dort wo man keine Flügel mehr braucht.“: schoss es ihm durch den Kopf, er sah den Kirchturm und es machte Klick. Den Wagen ließ er einfach mitten auf der Straße stehen, als er aus dem Auto sprang und zum Kirchturm rannte. Jede einzelne Treppestufe, die er hinauf rannte, lies sein Herz schrumpfen. Oben im Glockenturm angekommen, schaute er sich um, doch er sah sie nicht. Er wusste das sie nicht so einfach war. Also fing er an, aufs Dach zu klettern. Tatsachlich war sie auf dem kleinen Dach auf dem Glockenturm. „Du hast mich gefunden.“: sagte sie einfach als er sich neben sie setzte. „Ich hab dich gesehen wie du hergefahren bist.“: sagte sie leise. Luis wusste was kommen würde, es musste irgendwann so kommen, sie hatte es ihm schließlich gesagt. „Fliegen wie ein Vogel, Frei sein, die irdischen Fesseln dieser Welt ablegen, dem Himmel nahe sein.“: sprach Luis aus, was sie damals zu ihm gesagt hatte. Seine Worte waren nicht wie ihre voller Leidenschaft sondern brüchig, von Tränen gefüllt. „Du erinnerst dich an meine Worte.“: sie lachte. „Ich erinnere mich an alles, was du mir gesagt hast.“:  sagte Luis, während eine Träne auf Reisen ging. „Du hast mich verstanden wie kein Mensch vor dir.“: sagte er, seine Stimme war zu einem Flüstern geworden. „Ich weiß wie du dich fühlst“: flüsterte sie und lehnte sich an ihn. „Aber heute will ich wissen ob mich meine Flügel tragen.“: flüsterte sie. „Heute wird er wahr, der Traum vom fliegen.“: ihre Stimme bebte voller Leidenschaft. „Ich weiß das du die Freiheit suchst, das du dem Käfig entfliehen willst, aber warum lässt du mich zurück?“: fragte Luis. „Ich möchte mit dir fliegen, du weißt doch das ich Orte sehen wollte, die noch keiner vorher kannte.“: flüsterte er und berührte sie am Handgelenk. „Bitte tu es nicht.“: flüsterte er ihr ins Ohr. Sie löste sanft seine Hand von ihrem Handgelenk und stand auf. „Es tut mir leid, ich kann nicht bleiben, ich möchte nicht, am liebsten würde ich dich mitnehmen, aber du wirst noch gebraucht.“: sagte sie, sie konnte ihre Traurigkeit nicht verbergen. „Es würde genauso weiter laufen auch ohne mich.“: sagte Luis, während Tränen seinen Wangen hinunterliefen. „Deswegen wirst du gebraucht.“: sagte sie, zwei Schritte rannte sie und dann breitete sie ihre Arme aus, in diesem Moment schien die Sonne, es sah einen Moment wirklich aus als würde sie fliegen. Fliegen an einen Ort, den nur sie und er kannte. Doch dann stürzte sie ab, wie ein Vogel, der von Kugeln getroffen worden ist. „Nein!“: schrie Luis, doch er konnte nichts tun, es war ihr Entschluss, sie hat sich selber entschieden. Während sie fiel, schloss er die Augen und sah sie neben sich lachen, sah sich zusammen mit ihr in den Himmel schauen, zusammen über Dinge sprechen die er niemanden sonst erzählte. Er öffnete die Augen wieder und der Sturz war vorbei. Sie war gegangen. Für einen kleinen Moment schien es als würde ihr Geist ihm noch einmal Danke und Lebewohl sagen. Tränen liefen über sein Gesicht, auch fing es an zu regnen. „Isabelle, wieso!“: schrie er den dunklen Wolken entgegen. „Was ist das Leben noch wert, wenn die Träume die man hat nicht wahr werden können! Gott wo bist du, versteck dich nicht du Feigling, sag es mir, komm schon sag mir wieso, ich warte hier, also sag es mir, ich bin auf deinem Haus!“: schrie er sich die Seele aus dem Leib, danach brach er schluchzend zusammen und weinte solange bis der Regen aufhörte. Danach stieg er wieder den Turm hinab. Isabelles Leiche lag vor der Kirche auf dem Asphalt. Ihre Augen waren vor Angst weit aufgerissen. Kein Lächeln über ihre Freiheit. Angst vor dem Tot spiegelte sich in den Augen der Toten. Luis kniete sich neben sie, schloss ihre Augen und trug sie schließlich in das Gotteshaus. Vor den Altar aus Marmor legte er ihren toten Körper, danach kniete er sich auf die Stufe, die hinauf zum Altar führten und betete für ihre Seele. „Gott, ich weiß ich hab gerade eben Dinge gesagt, ich will sie nicht zurück ziehen, aber bitte vergib ihr ihre Sünden, damit sie zu dir kommen kann“: redete er in die Kirche hinein. Kniend vor dem Altar mit verknotenden Finger, vor dem Leichnam eines Mädchen. Tränen liefen schon wieder seinen Wangen hinunter. „Ich weiß das du sie bereits kennst, doch wenn du sie einmal reden hörst, so wie ich sie gehört habe, wirst du mich hoffentlich verstehen.“: beendete Luis sein Gebet. Leise als wollte er ihren Schlaf nicht stören, schlich er aus der Kirche.   

 

 




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